Kreativität und Kultur als wichtige Themen der europäischen Jugendpolitik 

Nicht erst seit dem Beginn der Wirtschaftskrise 2007 wird Kreativität als wichtige persönliche Fähigkeit betrachtet, um mit Herausforderungen und Bedürfnissen umzugehen. Eine einzige korrekte Antwort auf ein bestehendes Problem gibt es nicht mehr; flexibles Denken, unorthodoxe Methoden und kreative Wege der Problemlösung werden in der heutigen globalisierten Welt als angemessene Herangehensweisen betrachtet. Das kreative Lösen komplexer Probleme wird als wichtiger Beitrag zur Innovation gesehen, die als Hauptantrieb der Wirtschaft der Europäischen Union betrachtet wird. Darüber hinaus ist Kreativität eine menschliche Fähigkeit, die das persönliche Leben bereichert, einer Person erlaubt, sich den täglichen Herausforderungen zu stellen, und die die Zusammenarbeit in der Gesellschaft fördert.

Des Weiteren ist es in den letzten Jahrzehnten Allgemeingut geworden, dass Kreativität nicht nur ein angeborenes Talent ist, sondern eine Fähigkeit, die man trainieren und verbessern kann und sollte. In Folge hat sich die Kreativität in Bezug auf das Erziehen von Kindern und in der Bildung zu einem eigenen Zweck entwickelt. Die Kreativität gedeiht in Gesellschaften, in denen ein freier, gleicher und offener Austausch zwischen Menschen, Völkern und Kulturen als selbstverständlich betrachtet wird.

Kreativität und Kultur in der europäischen Politik

Da die Kreativität heute eine derart wichtige Rolle spielt, überrascht es nicht, dass das Jahr 2009 zum Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation erklärt wurde (Entscheidung Nr. 1350/2008/EG). Die Homepage für dieses Jahr weist die folgende Kernbotschaft auf: Kreativität und Innovation tragen zum wirtschaftlichen Wohlstand sowie zum gesellschaftlichen und individuellen Wohlergehen bei. Damit sind Kreativität und Innovation die treibenden Faktoren für das Unternehmertum und wichtige neue Fähigkeiten, die für neue Berufe benötigt werden. Aus diesem Grund werden diese Fähigkeiten als Kernkompetenzen bezeichnet (siehe die Empfehlungen über Kernkompetenzen für lebenslanges Lernen und die Entschließung über neue Fähigkeiten und neue Berufe) und gehen daher einher mit den Ideen der Lissabon-Strategie.

Kultur ist laut Europarat eine wesentliche Komponente und ein Schlüsselfaktor für Menschenrechte und Demokratie. Sie bildet die Grundlage für ein Verstehen von Gesellschaft und des Lebens an sich; sie ist die Grundlage für Zusammenarbeit, Dialog und Austausch. Aus diesem Grund hat der Europarat bereits 1954 eine starke Kulturpolitik gefordert, um die Achtung für Identität und Vielfalt, für den interkulturellen Dialog und die kulturellen Rechte zu fördern – als Grundlage eines respektvollen und toleranten Zusammenlebens (siehe Europäisches Kulturabkommen, CETS Nr.: 018). Die kulturelle Vielfalt und das kulturelle Erbe sind wichtige Elemente des europäischen Selbstkonzepts. Außerdem wird im Lissaboner Vertrag (Artikel 167) hervorgehoben, dass die Union die Kultur bei all ihren Maßnahmen einbeziehen soll, um so die interkulturelle Achtung und die Vielfalt zu fördern.

Kreativität ist ein Schlüsselfaktor für Kultur und für den kulturellen Ausdruck, aber gleichzeitig ist Kultur auch der Katalysator für Kreativität. Bereits im Kulturprogramm der Europäischen Kommission (2007 – 2013) wird Kreativität durch Kultur und die Förderung der kreativ tätigen Industrien als Politik der Europäischen Union formuliert. Auch auf der europäischen Agenda für Kultur in einer globalisierten Welt wird Kultur und deren Einfluss auf die Kreativität thematisiert: „Die Rolle der Kultur bei der Unterstützung und Förderung von Kreativität und Innovation muss untersucht und vorangetrieben werden. Kreativität ist die Grundlage für soziale und technologische Innovation und damit eine wichtige Antriebskraft für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in der EU."

Dieser Zusammenhang zwischen Kultur und Kreativität und die Tatsache, dass Kreativität zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit oder Wirtschaftswachstum führt sowie die Voraussetzungen für die Förderung von Kreativität werden in einer detailreichen Studie mit dem Titel „Auswirkungen von Kultur auf Kreativität" untersucht, wobei auch der Terminus „kulturbedingte Kreativität" verwendet wird. Es wird des Weiteren betont, dass Kunst und Kultur in der Schule und als lebenslanges Lernen einen großen Einfluss auf das Stimulieren von Kreativität haben. Es wird sogar eine mögliche zukünftige Kreativitätspolitik der Europäischen Union skizziert.

In dem „Manifest" der Botschafter für das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation  – eine Gruppe aus Künstlern, Ökonomen, Forschern und Wissenschaftlern – wurde skizziert, welche Vorgehensweisen vonnöten sind, um kreatives Denken zu fördern und um innovative Ansätze zu unterstützen. Dieses Manifest kann als ein weiterer Meilenstein für eine Kreativitätspolitik betrachtet werden. Schließlich wird auch der wirtschaftliche Einfluss der Kultur und der kreativ tätigen Industrien immer stärker und sie sind aus diesem Grund Thema der europäischen Forschung und eines speziellen Grünbuchs über die „Erschließung des Potenzials der kulturell und kreativ tätigen Industrien".

Kreativität und Kultur in der Jugendpolitik

Die Verbindungen zwischen Kultur, Wirtschaft, Bildung und Kreativität waren in den letzten Jahren außerdem Themen verschiedener Konferenzen. Die Homepage für das Europäische Jahr für Kreativität und Innovation 2009 bietet einen guten Überblick und Ausgangspunkt für eine weitergehende Forschung. Des Weiteren war bei Veranstaltungen in diesem Jahr die Bedeutung der Kreativität im Hinblick auf das Leben von heutigen Jugendlichen ein Thema. Insbesondere die Rolle neuer Technologien für Jugendliche im Bereich Kreativität ist ein Thema, und eine Reihe interessanter Referate zu diesem Thema lässt sich in den Berichten der Konferenzen CICY Conference in Belgien und der Promoting a Creative Generation in Schweden finden, um nur zwei zu nennen.

Die steigende Bedeutung der Kreativität wirkt sich auch auf die Bildung als einer der Kernthemen der Jugendpolitik aus. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats empfiehlt nun beispielsweise, den schulischen Erfolg nicht allein von den traditionellen Schulfächern abhängig zu machen, sondern auch den Bereich der „Sozialkompetenzen", wie z. B. Kreativität, zu berücksichtigen.

Auch in den neusten Erklärungen zur Jugendpolitik spiegelt sich diese stärkere Betonung der Kultur und der Kreativität wider. Zur Auffrischung der Jugendagenda des Europarats wird empfohlen, das kreative Potenzial von Jugendlichen wertzuschätzen und zu fördern. Und in der „EU-Strategie für Jugendpolitik - Investieren und Ermächtigen" wird Kreativität als eines der wichtigsten Instrumente betrachtet, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, für die sich Standardansätze als unwirksam erwiesen haben. In diesem Dokument wird Kreativität mit Unternehmertum verknüpft, um auch die Notwendigkeit kreativer Lösungen im Bereich der Wirtschaft zu betonen. Junge Menschen sollten ermutigt werden, innovativ zu denken und zu handeln.

Der Text wurde von Manfred Zentner für die Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission und dem Europarat im Bereich Jugend verfasst.

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